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Versicherungen im Studium und in der Ausbildung: Kosten, Fristen und Übergänge

Aktualisiert: 18. März 2026 6 Min. Lesezeit Von Thorsten Schreier

Allgemeine Information — keine individuelle Beratung, keine Gewähr.

Auf einen Blick: Bis 25 sind Studierende meist beitragsfrei über die Eltern kranken- und haftpflichtversichert. Eine BU-Versicherung kostet im Studium nur 30–60 Euro monatlich — wer bis 35 wartet, zahlt oft das Doppelte oder bekommt wegen Vorerkrankungen keinen Vertrag mehr. Für rund 35–65 Euro monatlich ist die existenzielle Absicherung als Student oder Azubi komplett.

Was Sie in diesem Ratgeber erfahren

Studium und Ausbildung sind versicherungstechnisch eine Übergangsphase: Elternpolicen laufen aus, neue Pflichten entstehen, Auslandsaufenthalte erfordern Zusatzschutz. Welche Versicherungen in Ihrer Situation Priorität haben, erfahren Sie in unserer Lebenswelt für Studierende und Azubis. Dieser Ratgeber erklärt die Details: Wann genau endet welche Mitversicherung, was kostet der eigene Schutz, und wie funktioniert der Übergang ins Berufsleben?

Pflicht: Krankenversicherung

Studierende

Bis zum 25. Lebensjahr sind Sie in der Regel beitragsfrei über Ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert. Danach greift die studentische Krankenversicherung (ca. 110 Euro/Monat inkl. Pflegeversicherung, Stand 2025). Ab dem 14. Fachsemester oder dem 30. Lebensjahr endet die studentische Versicherung — dann wird eine freiwillige Versicherung nötig.

Azubis

Auszubildende sind über ihren Arbeitgeber pflichtversichert. Die Beiträge werden direkt vom Gehalt abgezogen.

Unverzichtbar: Privathaftpflicht

Die Privathaftpflichtversicherung ist die wichtigste freiwillige Versicherung — auch für junge Menschen. Solange Sie unverheiratet sind, unter 25 Jahre alt und sich in der Erstausbildung befinden, sind Sie meist über die Familienpolice der Eltern mitversichert. Prüfen Sie das unbedingt — wenn nicht, schließen Sie eine eigene ab (ab ca. 40 Euro/Jahr).

Sinnvoll: Berufsunfähigkeitsversicherung

Je jünger und gesünder Sie beim Abschluss sind, desto günstiger der Beitrag — und desto weniger Gesundheitsfragen müssen Sie beantworten. Eine BU-Versicherung während des Studiums oder der Ausbildung kostet oft nur 30–60 Euro monatlich. Wer bis 35 oder 40 wartet, zahlt schnell das Doppelte — oder bekommt wegen Vorerkrankungen keinen Vertrag mehr.

Kann warten

  • Hausratversicherung: Erst sinnvoll, wenn Sie einen eigenen Haushalt mit wertvollem Inhalt haben. Im Studentenwohnheim oder der WG reicht oft die Außenversicherung der elterlichen Hausrat.
  • Rechtsschutzversicherung: In der Regel noch nicht nötig. Bei Streitigkeiten mit Vermietern oder Arbeitgebern können Sie sich an die Rechtsberatung des AStA oder der Gewerkschaft wenden.
  • Kfz-Versicherung: Nur wenn Sie ein eigenes Auto besitzen.

Kostenübersicht: Was Studenten und Azubis zahlen

VersicherungMonatliche KostenPriorität
Krankenversicherung (GKV)0 € (familienversichert) / ca. 110 € (studentische KV)Pflicht
Privathaftpflichtab ca. 3–5 € (eigene Police) / 0 € (über Eltern)Sehr hoch
Berufsunfähigkeitsversicherungca. 30–60 €Hoch
Auslandsreisekrankenversicherungca. 1–2 €Mittel
Hausratversicherungab ca. 3–5 €Niedrig (erst bei eigenem Haushalt)
Rechtsschutzversicherungab ca. 15–20 €Niedrig (kann warten)
Kfz-Versicherungab ca. 50–100 € (je nach SF-Klasse)Nur bei eigenem Fahrzeug

Fazit: Für rund 35–65 Euro monatlich sind Sie als Student oder Azubi existenziell abgesichert. Konzentrieren Sie sich auf die Positionen mit hoher Priorität — alles andere kann warten, bis Sie ein regelmäßiges Einkommen haben.

Familienversicherung: Wann endet der Schutz über die Eltern?

Eine der häufigsten Fragen junger Menschen: Ab wann brauche ich eigene Versicherungen? Die Antwort hängt von der jeweiligen Versicherungsart ab.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

In der GKV können Sie bis zum 25. Lebensjahr beitragsfrei über Ihre Eltern familienversichert bleiben — vorausgesetzt, Ihr eigenes Einkommen übersteigt nicht die Grenze von 505 Euro monatlich (Stand 2025). Ausnahme: Wer einen Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr geleistet hat, darf die Altersgrenze um die Dauer des Dienstes überschreiten (maximal zwölf Monate). Bei einem regelmäßigen Minijob über 538 Euro monatlich oder einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung endet die Familienversicherung sofort — unabhängig vom Alter.

Azubis sind ab dem ersten Ausbildungstag eigenständig pflichtversichert und können nicht in der Familienversicherung bleiben, da sie ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen beziehen.

Privathaftpflicht

In der Privathaftpflichtversicherung der Eltern sind Sie in der Regel mitversichert, solange Sie sich in der Erstausbildung befinden, unverheiratet sind und keine eigene Berufstätigkeit aufgenommen haben. Die meisten Tarife setzen eine Altersgrenze von 25 Jahren, manche auch von 27 Jahren. Entscheidend ist immer der konkrete Vertrag der Eltern — lassen Sie sich die Versicherungsbedingungen zeigen. Wichtig: Auch ein Studium nach einer abgeschlossenen Ausbildung gilt bei vielen Versicherern nicht mehr als Erstausbildung.

Hausratversicherung

Wohnen Sie noch bei den Eltern, ist Ihr Besitz über deren Hausratversicherung geschützt. Ziehen Sie in eine WG oder ein Studentenwohnheim, greift bei den meisten Tarifen die sogenannte Außenversicherung — Ihr Eigentum ist dann vorübergehend am auswärtigen Wohnort mitversichert. Diese Außenversicherung ist jedoch zeitlich begrenzt (häufig auf sechs Monate) und betragsmäßig gedeckelt (oft auf 10–20 Prozent der Versicherungssumme). Sobald Sie eine eigene Wohnung beziehen und der Mietvertrag auf Ihren Namen läuft, benötigen Sie eine eigene Police.

Rechtsschutzversicherung

Haben Ihre Eltern eine Familienrechtsschutzversicherung, sind volljährige Kinder in Erstausbildung häufig bis zum 25. Lebensjahr mitversichert. Auch hier: Vertragsbedingungen prüfen.

BU für Studenten: Warum jetzt der beste Zeitpunkt ist

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt — und gerade für Studierende und Auszubildende ist der Abschluss besonders attraktiv. Drei Gründe sprechen dafür, jetzt zu handeln:

1. Deutlich günstigere Beiträge

Das Eintrittsalter bestimmt den Beitrag über die gesamte Vertragslaufzeit. Wer mit 20 Jahren abschließt, zahlt für eine BU-Rente von 1.000 Euro monatlich oft nur 30–50 Euro pro Monat. Wer bis 35 wartet, zahlt für die gleiche Leistung schnell 80–120 Euro — das sind über 30 Jahre Vertragslaufzeit Mehrkosten von mehreren Tausend Euro. Studierende werden zudem häufig in eine günstigere Berufsgruppe eingestuft als Erwerbstätige in körperlich belastenden Berufen.

2. Gesundheitsfragen sind einfacher zu beantworten

Beim Abschluss einer BU-Versicherung müssen Sie Gesundheitsfragen beantworten, die sich in der Regel auf die letzten fünf bis zehn Jahre beziehen. Mit 20 oder 22 Jahren ist Ihre Krankengeschichte normalerweise überschaubar. Jedes weitere Jahr bringt die Möglichkeit neuer Diagnosen — sei es eine Rückenerkrankung, psychische Belastungen oder Allergien. Was einmal in der Patientenakte steht, kann zu Risikozuschlägen, Ausschlussklauseln oder sogar einer Ablehnung führen.

3. Nachversicherungsgarantie sichert die Zukunft

Eine gute BU-Police enthält eine Nachversicherungsgarantie. Das bedeutet: Bei bestimmten Lebensereignissen — Berufseinstieg, Heirat, Geburt eines Kindes, Gehaltserhöhung — können Sie die versicherte Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Sie sichern sich also heute den Gesundheitszustand und passen die Absicherung später flexibel an Ihre Lebenssituation an.

Tipp für Azubis: In der Ausbildung ist die BU-Rente oft niedriger angesetzt. Achten Sie darauf, dass der Tarif eine Umstellung auf eine höhere Rente nach der Ausbildung ohne erneute Gesundheitsprüfung ermöglicht.

Auslandsaufenthalt: Erasmus, Auslandssemester, Work & Travel

Ob Erasmus-Semester in Spanien, Studienaufenthalt in den USA oder Work & Travel in Australien — Auslandsaufenthalte gehören für viele Studierende und Azubis zum Lebensplan. Versicherungstechnisch gibt es dabei einiges zu beachten.

Auslandsreisekrankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet innerhalb der EU über die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) Grundschutz. Außerhalb Europas besteht in der Regel kein Versicherungsschutz. Doch auch innerhalb der EU übernimmt die GKV nur die Kosten, die im Gastland üblich sind — ein medizinisch sinnvoller Rücktransport nach Deutschland ist nie eingeschlossen. Eine Auslandsreisekrankenversicherung für Studierende kostet nur wenige Euro pro Jahr und schließt diese Lücke.

Wichtig bei Langzeitaufenthalten: Standardmäßige Reisekrankenversicherungen gelten für Reisen bis zu 42 oder 56 Tagen. Für ein ganzes Semester oder ein Jahr im Ausland benötigen Sie eine spezielle Langzeit-Auslandskrankenversicherung. Die Kosten liegen bei ca. 30–50 Euro pro Monat.

Privathaftpflicht im Ausland

Die meisten Privathaftpflichtversicherungen gelten weltweit — prüfen Sie jedoch, ob Ihr Tarif Aufenthalte von über sechs Wochen abdeckt. Bei Langzeitaufenthalten in den USA oder Kanada sollten Sie besonders auf ausreichende Deckungssummen achten, da dort Schadensersatzforderungen deutlich höher ausfallen als in Europa.

Reisegepäckversicherung

Für die meisten Studierenden nicht notwendig. Der Wert des Gepäcks rechtfertigt selten die Prämie. Besser: Wertvolle Gegenstände über die Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung mitversichern und im Zweifel einen kleinen finanziellen Puffer einplanen.

Zusatztipp: DAAD-Versicherungspaket

Wer über ein DAAD-Stipendium oder ein Erasmus-Programm ins Ausland geht, erhält häufig ein Versicherungspaket mit Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Prüfen Sie den Umfang und ergänzen Sie gegebenenfalls fehlende Bausteine.

Vom Studium in den Beruf: Was ändert sich?

Der Übergang vom Studium oder der Ausbildung ins Berufsleben ist versicherungstechnisch einer der wichtigsten Momente. Innerhalb weniger Wochen fallen gleich mehrere Mitversicherungen weg, und Sie müssen sich eigenständig absichern. Nutzen Sie diese Checkliste:

  • Krankenversicherung: Die Familienversicherung endet mit der Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Als Angestellter werden Sie automatisch gesetzlich pflichtversichert. Prüfen Sie: Passt die GKV, oder kommt eine PKV infrage?
  • Privathaftpflicht: Läuft die Mitversicherung über die Eltern noch oder ist sie bereits erloschen? Viele Tarife enden mit dem Berufseinstieg — handeln Sie sofort, damit keine Deckungslücke entsteht.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Falls Sie bereits eine BU haben, nutzen Sie jetzt die Nachversicherungsgarantie, um die Rentenhöhe an Ihr Einkommen anzupassen. Falls nicht: Schließen Sie die BU jetzt ab — die Gesundheitsfragen werden mit den Jahren nicht einfacher.
  • Hausratversicherung: Sobald Sie in eine eigene Wohnung ziehen, benötigen Sie eine eigene Hausratpolice. Die Außenversicherung der Eltern greift nicht mehr.
  • Altersvorsorge starten: Prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber betriebliche Altersversorgung (bAV) anbietet — die arbeitgeberfinanzierte Variante oder die Entgeltumwandlung mit Zuschuss ist häufig der effizienteste Einstieg in die Vorsorge.
  • Vermögenswirksame Leistungen (VL): Viele Arbeitgeber zahlen bis zu 40 Euro monatlich als VL — dieses Geld sollten Sie unbedingt mitnehmen.
  • Kfz-Versicherung: Wurde Ihr Fahrzeug bisher über die Eltern versichert? Klären Sie die Schadenfreiheitsklasse — manche Versicherer erlauben eine Übertragung von den Eltern.
  • Steuervorteile nutzen: Viele Versicherungsbeiträge lassen sich in der Steuererklärung geltend machen — insbesondere Kranken-, Pflege- und Berufsunfähigkeitsversicherung.

Häufige Fehler bei Versicherungen im Studium und in der Ausbildung

  • Familienversicherung nicht geprüft: Viele schließen unnötig eigene Policen ab, obwohl sie noch über die Eltern versichert sind
  • BU auf später verschoben: Jedes Jahr, das Sie warten, wird der Beitrag teurer
  • Zu viele Versicherungen: Ausbildungsversicherungen, Handyversicherungen oder Elektronikversicherungen lohnen sich fast nie
  • Keinen Notgroschen aufgebaut: Bevor Sie in Versicherungen investieren, sollten Sie zwei bis drei Monatsausgaben als Rücklage haben. Kleine Schäden lassen sich aus dem Ersparten bezahlen — die Versicherung ist für die großen Risiken da
  • Vertreterempfehlung blind vertraut: Ausschließlichkeitsvertreter können nur Produkte eines einzigen Versicherers anbieten. Ein Versicherungsmakler vergleicht den gesamten Markt und findet den Tarif, der zu Ihrer Situation passt
  • Vertragsbedingungen nicht gelesen: Gerade bei der BU-Versicherung unterscheiden sich die Bedingungen erheblich — achten Sie auf abstrakte Verweisung, Nachversicherungsgarantie und die Definition von Berufsunfähigkeit
  • Falsches Sparen bei der BU-Rente: Eine BU-Rente von 300 Euro nützt im Ernstfall wenig. Besser: Mindestens 1.000 Euro als Basis vereinbaren und später über die Nachversicherungsgarantie aufstocken

Häufig gestellte Fragen

Ab wann brauche ich als Student eine eigene Krankenversicherung?

Solange Sie unter 25 Jahre alt sind und die Einkommensgrenze von 505 Euro monatlich nicht überschreiten, bleiben Sie beitragsfrei in der Familienversicherung Ihrer Eltern. Danach wird die studentische Krankenversicherung fällig (ca. 110 Euro/Monat inklusive Pflegeversicherung). Azubis sind ab dem ersten Tag der Ausbildung eigenständig über den Arbeitgeber pflichtversichert.

Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon im Studium?

Ja — der Abschluss während des Studiums ist sogar besonders empfehlenswert. Sie profitieren von niedrigen Beiträgen durch das junge Eintrittsalter, einer in der Regel unkomplizierten Gesundheitsprüfung und der Möglichkeit, die Absicherung später über die Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsfragen an Ihr Berufsleben anzupassen. Jede Diagnose, die in den kommenden Jahren hinzukommt, kann den späteren Abschluss verteuern oder unmöglich machen.

Bin ich als Student im Ausland automatisch versichert?

Innerhalb der EU bietet die EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte) Grundschutz. Allerdings ist kein Krankenrücktransport eingeschlossen, und die Leistungen richten sich nach dem Standard des Gastlandes. Außerhalb der EU besteht in der Regel gar kein GKV-Schutz. Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist deshalb bei jedem Auslandsaufenthalt dringend empfohlen — für Kurzreisen kosten sie nur wenige Euro pro Jahr, für Langzeitaufenthalte ca. 30–50 Euro pro Monat.

Welche Versicherungen kann ich von der Steuer absetzen?

Auch als Student oder Azubi können Sie bestimmte Versicherungsbeiträge steuerlich geltend machen. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind als Sonderausgaben voll absetzbar. Beiträge zur Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht- und Unfallversicherung können ebenfalls angesetzt werden, allerdings innerhalb der Höchstbeträge für sonstige Vorsorgeaufwendungen (1.900 Euro für Angestellte, 2.800 Euro für Selbstständige). In der Zweitausbildung — also einem Studium nach einer Erstausbildung — können Versicherungsbeiträge sogar als Werbungskosten geltend gemacht werden, was zu einem Verlustvortrag führen kann.

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