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Lebenswelt

Angestellte & Gutverdiener

Wer gut verdient, hat besondere Möglichkeiten — und besondere Lücken. Ich zeige Ihnen, wie Sie PKV, bAV und Zusatzversicherungen optimal kombinieren.

Warum brauchen Gutverdiener eine eigene Beratung?

Angestellte mit einem Bruttoeinkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG, 2026: 77.400 Euro) haben Zugang zur privaten Krankenversicherung. Gleichzeitig greift die gesetzliche Absicherung bei hohem Einkommen oft zu kurz: Krankengeld ist gedeckelt, die gesetzliche Rente ersetzt nur einen Bruchteil des Nettoeinkommens, und die Berufsunfähigkeitsabsicherung fehlt im gesetzlichen System fast vollständig.

Die richtige Strategie hängt von Ihrer individuellen Situation ab — Familienstand, Karrierepläne, Gesundheitszustand und Risikobereitschaft spielen eine wichtige Rolle. Eine detaillierte Entscheidungshilfe zur Grundsatzfrage PKV oder GKV finden Sie im Ratgeber PKV oder GKV.

PKV oder GKV — die Gretchenfrage

Oberhalb der Versicherungspflichtgrenze können Sie in die private Krankenversicherung wechseln. Die Vorteile liegen auf der Hand: bessere Leistungen, oft günstigere Beiträge in jungen Jahren, freie Arztwahl. Aber der Wechsel will gut überlegt sein — er ist in vielen Fällen eine Einbahnstraße:

Für wen lohnt sich die PKV?

  • Kinderlose Angestellte und DINKs (Double Income, No Kids) — Sie profitieren am stärksten. Kein Nachteil durch fehlende Familienversicherung.
  • Beamte und Beamtenanwärter — Durch die Beihilfe des Dienstherrn (50–80 %) müssen nur die Restkosten versichert werden. PKV ist hier fast immer günstiger.
  • Gesunde Personen unter 40 — Niedrige Einstiegsbeiträge und günstige Gesundheitsprüfung.

Wann besser in der GKV bleiben?

  • Bei Familienplanung mit einem Alleinverdiener — In der GKV sind Ehepartner und Kinder beitragsfrei familienversichert. In der PKV braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag (ca. 150–200 Euro/Monat pro Kind).
  • Bei Vorerkrankungen — Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse können die PKV teurer machen als erwartet.
  • Ab 55 Jahren — Die Rückkehr in die GKV ist ab 55 nur noch in Ausnahmefällen möglich. Wer in der PKV bleibt, muss mit steigenden Beiträgen rechnen.

Die dritte Option: GKV mit Zusatzversicherungen

Oft die klügere Wahl: GKV-Beitrag mit halbem Arbeitgeberzuschuss plus gezielte Zusatzversicherungen. Sie behalten die Vorteile der GKV (Familienversicherung, einkommensabhängiger Beitrag im Alter) und schließen die Leistungslücken dort, wo es Ihnen wichtig ist.

Betriebliche Altersversorgung optimal nutzen

Als Angestellter haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung. Seit 2019 muss Ihr Arbeitgeber bei Neuverträgen mindestens 15 % Zuschuss zahlen — viele zahlen 20–50 % oder mehr.

So holen Sie das Maximum heraus

  • Arbeitgeberzuschuss ausschöpfen — Zahlen Sie mindestens so viel ein, dass der volle Arbeitgeberzuschuss fließt. Das ist geschenktes Geld.
  • Steuer- und Sozialabgabenersparnis — Beiträge bis 338 Euro/Monat (2026) sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % sparen Sie pro 100 Euro Einzahlung ca. 60 Euro an Steuern und Sozialabgaben.
  • Bestehende bAV prüfen — Alte Verträge haben oft hohe Abschlusskosten und niedrige Renditen. Ein Wechsel zu einem kostengünstigeren Tarif (z. B. Nettopolice) kann sich lohnen.
  • Über die Grenzen hinaus — Gutverdiener können über eine Unterstützungskasse oder Direktzusage auch oberhalb der steuerfreien Grenzen einzahlen.

Nachteile kennen

Die bAV hat auch Schattenseiten: Die Betriebsrente wird im Alter voll besteuert und ist krankenversicherungspflichtig (Freibetrag 2026: 197,75 Euro/Monat). Zudem senkt die Entgeltumwandlung Ihren Anspruch auf gesetzliche Rente und Arbeitslosengeld geringfügig. Bei sehr hohem Arbeitgeberzuschuss überwiegen die Vorteile deutlich — bei reiner Entgeltumwandlung ohne Zuschuss sollten Sie genau rechnen.

Einkommenslücken schließen

Je höher das Einkommen, desto größer die Lücke zwischen gesetzlicher Absicherung und tatsächlichem Lebensstandard:

Berufsunfähigkeit

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente deckt maximal ca. 40 % des letzten Bruttoeinkommens — und auch das nur bei voller Erwerbsminderung. Wer noch teilweise arbeiten kann (teilweise Erwerbsminderung), erhält die Hälfte. Eine private BU-Versicherung ist unverzichtbar. Empfohlene BU-Rente: mindestens 60–75 % des Nettoeinkommens.

Krankentagegeld

Nach 42 Tagen Lohnfortzahlung zahlt die GKV maximal 135,63 Euro/Tag (2026), also ca. 4.069 Euro/Monat brutto. Bei einem Gehalt von 6.000 Euro brutto fehlen nach Steuern und Sozialabgaben schnell 1.500–2.000 Euro netto pro Monat. Ein privates Krankentagegeld schließt diese Lücke.

PKV-Versicherte haben grundsätzlich kein gesetzliches Krankentagegeld — hier ist die private Absicherung Pflicht.

Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente ist bei der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 8.450 Euro/Monat) gedeckelt. Wer 6.000 Euro netto verdient, hat eine Versorgungslücke, die weit über den Durchschnitt hinausgeht. Gutverdiener brauchen eine Kombination aus bAV, privater Altersvorsorge (Schicht 3) und ggf. Rürup-Rente (Schicht 1), um ihren Lebensstandard im Alter zu halten.

Zusatzversicherungen: Was sich lohnt

  • Zahnzusatzversicherung — Implantate, Inlays und hochwertige Kronen kosten 3.000–5.000 Euro pro Behandlung. Die Kasse zahlt nur den Festzuschuss (ca. 60 % der Regelversorgung). Eine gute Zahnzusatz erstattet 80–100 % der Gesamtkosten.
  • Stationäre Zusatzversicherung — Chefarztbehandlung und Einbettzimmer im Krankenhaus, auch bei Verbleib in der GKV. Kosten: ca. 30–60 Euro/Monat je nach Alter.
  • Ambulante Zusatzversicherung — Heilpraktikerleistungen, erweiterte Vorsorgeuntersuchungen und Sehhilfen über den GKV-Katalog hinaus.
  • Pflegezusatzversicherung — Die Pflegelücke im Alter kann schnell 2.000–3.000 Euro/Monat betragen. Je früher der Abschluss, desto günstiger.

Häufige Fehler bei der Gutverdiener-Absicherung

  • PKV-Wechsel ohne Familienplanung durchdacht — Die Rückkehr in die GKV ist ab 55 praktisch unmöglich. Bei Kindern fallen pro Kind ca. 150–200 Euro/Monat an.
  • bAV-Zuschuss des Arbeitgebers nicht genutzt — Geschenktes Geld liegen lassen ist der teuerste Fehler.
  • BU zu spät abgeschlossen — Mit 45 und Vorerkrankungen wird die BU teuer oder unmöglich. Idealerweise vor 35 abschließen.
  • Einkommenslücke bei Krankheit ignoriert — Viele Gutverdiener wissen nicht, dass das GKV-Krankengeld weit unter ihrem Netto liegt.

Quellen