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BU, Krankentagegeld und Betriebsausfall: So sichern Selbständige ihr Einkommen

Aktualisiert: 18. März 2026 11 Min. Lesezeit Von Thorsten Schreier

Allgemeine Information — keine individuelle Beratung, keine Gewähr.

Auf einen Blick: BU, Krankentagegeld und Betriebsausfall sichern drei verschiedene Risiken ab. Selbständige sollten BU und Krankentagegeld kombinieren (ab 150 bis 400 Euro monatlich), die Betriebsausfallversicherung braucht nur, wer einen Betrieb mit Sachrisiken führt.

Drei Produkte, drei Risiken

Einkommensschutz klingt einfach — aber hinter dem Begriff stehen grundlegend verschiedene Produkte, die unterschiedliche Risiken abdecken. Die drei wichtigsten im Überblick:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf dauerhaft (voraussichtlich mindestens sechs Monate) nicht mehr ausüben können. Langfristiger Schutz bei schweren gesundheitlichen Einschränkungen.
  • Krankentagegeld: Ersetzt Ihr Einkommen bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall. Schließt die Lücke zwischen Lohnfortzahlung (42 Tage bei Angestellten) und Genesung oder BU-Leistung.
  • Betriebsausfallversicherung (Betriebsunterbrechung): Ersetzt den entgangenen Gewinn und die fortlaufenden Fixkosten eines Unternehmens, wenn der Betrieb durch einen versicherten Schaden stillsteht. Kein Personenrisiko, sondern ein Sachrisiko.

Der entscheidende Unterschied: BU und Krankentagegeld schützen Ihr persönliches Einkommen — die braucht jeder Selbständige und Freiberufler. Die Betriebsausfallversicherung schützt das Unternehmen und ist relevant, wenn Sie einen Betrieb mit Sachrisiken führen (Werkstatt, Praxis, Laden, Produktionsstätte). Freiberufler ohne eigene Betriebsstätte brauchen sie in der Regel nicht.

Detailvergleich: BU, Krankentagegeld und Betriebsausfall

KriteriumBerufsunfähigkeitsversicherungKrankentagegeldBetriebsausfallversicherung
AuslöserDauerhafte Berufsunfähigkeit (mind. 50 %)Vorübergehende ArbeitsunfähigkeitSachschaden, der den Betrieb lahmlegt
LeistungMonatliche RenteTäglicher GeldbetragEntgangener Gewinn + fortlaufende Fixkosten
LeistungsdauerBis zum vereinbarten Endalter (z. B. 67)Bis zur Genesung oder BU-FeststellungFür die vereinbarte Haftzeit (z. B. 12 Monate)
Wartezeit/KarenzMeist 6 Monate (rückwirkend ab Eintritt)Wählbar: ab Tag 4, 15, 22 oder 43Keine (beginnt mit dem Schaden)
GesundheitsprüfungJa, umfangreichJa, aber weniger umfangreichNein
ZielgruppeAlle ErwerbstätigenAngestellte, Selbständige, FreiberuflerUnternehmen, Selbständige mit Betriebsrisiko
Typische Prämie50 – 250 €/Monat20 – 150 €/Monat300 – 1.500 €/Jahr

Berufsunfähigkeitsversicherung im Detail

Wann sie leistet

Die BU zahlt, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Entscheidend ist Ihre konkrete berufliche Tätigkeit — nicht irgendein Beruf. Ein guter Tarif verzichtet auf die sogenannte abstrakte Verweisung, bei der der Versicherer Sie auf einen anderen Beruf verweisen könnte.

Was sie kostet

Die Prämie hängt von Beruf, Alter, Gesundheitszustand und gewünschter BU-Rente ab.

BerufsgruppeMonatliche Prämie (1.500 € BU-Rente, Endalter 67)
Kaufmännische Angestellte, IT55 – 100 €
Ingenieure, Ärzte65 – 120 €
Handwerker, Pflegekräfte110 – 200 €
Dachdecker, Gerüstbauer160 – 300 €

Eintrittsalter 30 Jahre, ohne Vorerkrankungen. Ältere Eintrittsalter oder Vorerkrankungen erhöhen die Prämie erheblich.

Worauf Sie achten sollten

  • Verzicht auf abstrakte Verweisung: Der Versicherer darf Sie nicht auf einen anderen Beruf verweisen
  • Nachversicherungsgarantie: Erhöhung der BU-Rente ohne neue Gesundheitsprüfung bei Lebensereignissen (Heirat, Kind, Gehaltserhöhung)
  • Leistung bei Arbeitsunfähigkeit: Einige Tarife zahlen bereits bei längerer Arbeitsunfähigkeit (z. B. ab 6 Monaten) eine vorläufige Rente
  • Prognosezeitraum: Maximal 6 Monate — manche Versicherer verlangen eine längere Prognose
  • Weltweiter Versicherungsschutz: Wichtig, wenn Sie im Ausland arbeiten oder leben möchten

Krankentagegeld im Detail

Wann es leistet

Krankentagegeld schließt die Einkommenslücke bei vorübergehender Krankheit. Für Angestellte beginnt die Lücke nach der 6-wöchigen Lohnfortzahlung: Das gesetzliche Krankengeld der GKV beträgt nur etwa 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 135,63 Euro pro Tag (2026). Für Selbständige beginnt die Lücke am ersten Krankheitstag.

Was es kostet

KarenzzeitMonatliche Prämie (100 € Tagessatz)Geeignet für
Ab Tag 4120 – 200 €Selbständige ohne Rücklagen
Ab Tag 1560 – 100 €Selbständige mit kurzfristigen Rücklagen
Ab Tag 2240 – 70 €Selbständige mit solidem Notgroschen
Ab Tag 4325 – 50 €Angestellte (nach Lohnfortzahlung)

Worauf Sie achten sollten

  • Tagessatz realistisch kalkulieren: Der Tagessatz sollte Ihre laufenden Fixkosten decken — Miete, Versicherungen, Lebenshaltung. Nicht am Tagessatz sparen, um Prämie zu senken.
  • Karenzzeit an Rücklagen anpassen: Je höher Ihre Rücklagen, desto länger die Karenzzeit und desto niedriger die Prämie. Drei Monatsausgaben als Notgroschen sind empfehlenswert.
  • Psychische Erkrankungen eingeschlossen: Prüfen Sie, ob der Tarif auch bei psychischen Erkrankungen leistet — diese sind die häufigste Ursache für längere Arbeitsunfähigkeit.
  • Übergang zur BU: Wenn aus einer Krankheit eine dauerhafte Berufsunfähigkeit wird, endet das Krankentagegeld und die BU-Rente beginnt. Die Übergangsphase muss finanziell gedeckt sein.

Betriebsausfallversicherung im Detail

Wann sie leistet

Die Betriebsausfallversicherung (Betriebsunterbrechungsversicherung) zahlt, wenn ein versicherter Sachschaden Ihren Betrieb zum Stillstand bringt — etwa ein Feuer, Leitungswasserschaden, Einbruch oder Sturm. Sie ersetzt den entgangenen Gewinn und die fortlaufenden Fixkosten (Miete, Gehälter, Leasingraten, Kreditzinsen).

Wichtig: Die Betriebsausfallversicherung ist an einen Sachschaden gekoppelt. Fällt Ihr Betrieb aus persönlichen Gründen aus (Krankheit, Unfall), leistet sie nicht. Dafür brauchen Sie Krankentagegeld und BU.

Wer sie braucht — und wer nicht

Betriebsausfall relevant:

  • Ärzte, Zahnärzte, Therapeuten — Praxis mit teurer Ausstattung und Patientenbetrieb
  • Gastronomen — Küche, Einrichtung, verderbliche Ware
  • Einzelhändler — Laden mit Warenbestand
  • Handwerker — Werkstatt mit Maschinen und Werkzeug
  • Friseure, Kosmetiker — Salon mit Einrichtung
  • Landwirte — Ställe, Maschinen, Ernterisiko
  • Produzierendes Gewerbe — Produktionsanlagen, Lieferketten

In der Regel nicht nötig:

  • IT-Freelancer, Berater, Coaches — arbeiten mit Laptop, kein Sachrisiko
  • Virtuelle Dienstleister, Texter, Designer — kein physischer Betrieb
  • Handelsvertreter ohne eigenes Lager — kein gebundenes Inventar

Die Faustregel: Haben Sie eine Betriebsstätte, deren physischer Ausfall Ihr Einkommen stoppt? Wenn ja, brauchen Sie eine Betriebsausfallversicherung. Wenn nein, reichen BU und Krankentagegeld.

Was sie kostet

BetriebsgrößeTypische JahresprämieHaftzeit
Selbständiger, Einzelunternehmer300 – 800 €6 – 12 Monate
Kleinbetrieb (5–10 Mitarbeiter)500 – 2.000 €12 Monate
Mittlerer Betrieb (10–50 Mitarbeiter)1.500 – 5.000 €12 – 24 Monate

Die Prämie hängt von Branche, Umsatz, Gewinn, Fixkosten und der vereinbarten Haftzeit ab.

Worauf Sie achten sollten

  • Haftzeit ausreichend wählen: Die Haftzeit bestimmt, wie lange der Versicherer zahlt. Bei einem Großbrand kann der Wiederaufbau 12 bis 18 Monate dauern. Zu kurze Haftzeiten sind einer der häufigsten Fehler.
  • Versicherungssumme korrekt berechnen: Basis ist der Rohertrag (Umsatz minus Wareneinsatz). Unterversicherung führt zur proportionalen Kürzung im Schadenfall.
  • Erweiterungen prüfen: Manche Policen bieten Erweiterungen auf Schäden bei Zulieferern (Rückwirkungsschäden) oder behördliche Betriebsschließungen.

Wann welches Produkt greift — Zeitstrahl

PhaseProduktDauer
Tag 1–42 (Angestellte)Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber6 Wochen
Tag 1–42 (Selbständige)Krankentagegeld (je nach Karenzzeit)Ab gewähltem Karenztag
Tag 43 – ca. 78 WochenKrankentagegeld + GKV-Krankengeld (Angestellte)Bis Ende Arbeitsunfähigkeit oder Feststellung BU
Ab Feststellung BUBerufsunfähigkeitsrenteBis Endalter (z. B. 67)
Ab SachschadenBetriebsausfallversicherung (parallel)Haftzeit (z. B. 12 Monate)

Kombinationsstrategien

Angestellte

Die Standardkombination für Angestellte:

  1. BU-Versicherung — Kernbaustein, deckt das Langfristrisiko
  2. Krankentagegeld ab Tag 43 — Schließt die Lücke zwischen Lohnfortzahlung und GKV-Krankengeld (wenn das GKV-Krankengeld nicht ausreicht)
  3. Unfallversicherung — Optional, als Ergänzung zur BU bei unfallbedingter Invalidität

Kosten: Etwa 80 bis 200 Euro pro Monat für beide Bausteine bei 1.500 Euro BU-Rente und 50 Euro Tagessatz.

Selbständige und Freiberufler

Selbständige haben kein Arbeitgebernetz — unser Ratgeber für Selbständige behandelt das Thema ausführlich. Die Kombination muss breiter sein:

  1. BU-Versicherung — Langfristschutz bei dauerhafter Berufsunfähigkeit
  2. Krankentagegeld ab Tag 15 oder 22 — Kurzfristschutz bei Krankheit, sofort nach der Karenzzeit
  3. Betriebsausfallversicherung — Wenn Sie einen Betrieb mit Sachrisiken führen (Werkstatt, Laden, Praxis)
  4. Rücklagen — Drei bis sechs Monatsausgaben als Notgroschen für die Karenzzeit

Kosten: Etwa 150 bis 400 Euro pro Monat für die Kombination — je nach Beruf, Alter und gewünschter Absicherungshöhe.

Unternehmer mit Mitarbeitern

Die umfassendste Kombination:

  1. BU-Versicherung — Für den Unternehmer persönlich
  2. Krankentagegeld — Für den Unternehmer persönlich
  3. Betriebsausfallversicherung — Für den Betrieb, deckt Fixkosten und Gewinn
  4. Keyman-Versicherung — Wenn der Betrieb von einer Schlüsselperson abhängt (z. B. Inhaber, Chefarzt, Chefkoch)

Alternativen zur BU

Nicht jeder kann oder will eine klassische BU abschließen. Die Prämien sind hoch, und bei Vorerkrankungen wird der Zugang schwierig. Diese Alternativen gibt es:

ProduktWas es decktTypische Prämie (monatlich)Einschränkung
GrundfähigkeitsversicherungVerlust definierter Grundfähigkeiten (Sehen, Gehen, Greifen, Heben)30 – 80 €Keine Leistung bei Berufswechsel, sondern nur bei Fähigkeitsverlust
ErwerbsunfähigkeitsversicherungErwerbsminderung über alle Berufe hinweg25 – 60 €Leistet erst, wenn Sie keinen Beruf mehr als 3 Stunden täglich ausüben können
Dread-Disease-VersicherungEinmalzahlung bei schwerer Erkrankung (Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall)20 – 70 €Zahlt nur bei definierten Diagnosen, keine laufende Rente
Multi-Risk-VersicherungKombination aus Grundfähigkeit + Pflege + schwere Krankheit40 – 100 €Kompromiss, aber in keinem Bereich so gut wie das Spezialprodukt

Empfehlung: Die BU bleibt der Goldstandard. Nur wenn eine BU aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht möglich ist, sind Alternativen sinnvoll — idealerweise in Kombination (z. B. Grundfähigkeit + Dread Disease).

Checkliste: Den richtigen Einkommensschutz finden

  1. Berufliche Situation klären: Angestellt, selbständig, verbeamtet, Gig-Worker?
  2. Einkommen beziffern: Was müssen Sie monatlich absichern?
  3. Rücklagen prüfen: Wie viele Monate können Sie ohne Einkommen überbrücken?
  4. Gesundheitsstatus ehrlich einschätzen: Vorerkrankungen bestimmen den BU-Zugang
  5. BU-Angebot einholen: Immer zuerst prüfen, ob eine BU möglich und bezahlbar ist
  6. Krankentagegeld kalkulieren: Karenzzeit an Rücklagen anpassen
  7. Betriebsausfall prüfen: Nur relevant bei eigenem Betrieb mit Sachrisiken
  8. Produkte kombinieren: BU + Krankentagegeld als Minimum für Selbständige
  9. Jährlich anpassen: Einkommenssteigerungen, Familienereignisse, Gesundheitsveränderungen berücksichtigen

Häufig gestellte Fragen

Reicht eine BU allein als Einkommensschutz?

Nein. Die BU deckt das Langfristrisiko bei dauerhafter Berufsunfähigkeit. Aber was passiert bei einer dreimonatigen Krankheit, die keine dauerhafte BU auslöst? Ohne Krankentagegeld fehlt in dieser Phase das Einkommen. Besonders Selbständige brauchen beides — BU für die dauerhafte Absicherung und Krankentagegeld für die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit.

Kann ich Krankentagegeld und BU beim selben Versicherer abschließen?

Ja, und das kann Vorteile haben. Manche Versicherer bieten Kombitarife an, bei denen die Übergangsproblematik (Ende Krankentagegeld, Beginn BU-Rente) besser geregelt ist. Ob ein Kombitarif günstiger ist als separate Verträge, hängt vom Einzelfall ab — ein Vergleich lohnt sich.

Brauche ich als Angestellter überhaupt Krankentagegeld?

Als Angestellter erhalten Sie sechs Wochen Lohnfortzahlung und danach Krankengeld von der GKV (etwa 70 Prozent des Brutto, gedeckelt). Wenn Ihr Nettoeinkommen deutlich über dem GKV-Krankengeld liegt oder wenn Sie laufende Verpflichtungen haben (Immobilienkredit, Unterhalt), schließt ein privates Krankentagegeld die Lücke zwischen Krankengeld und tatsächlichem Bedarf.

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsausfall- und Betriebsschließungsversicherung?

Die Betriebsausfallversicherung leistet bei Betriebsstillstand durch einen Sachschaden (Feuer, Wasser, Einbruch). Die Betriebsschließungsversicherung leistet bei behördlich angeordneter Schließung — etwa wegen Seuchengefahr, Lebensmittelverunreinigung oder Quarantäne. Beide Produkte decken unterschiedliche Risiken und können sich ergänzen.

Zahlt die BU auch, wenn ich in einen anderen Beruf wechseln kann?

Bei einem guten Tarif ohne abstrakte Verweisung: Ja. Der Versicherer prüft ausschließlich, ob Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Ob Sie theoretisch einen anderen Beruf ausüben könnten, spielt keine Rolle. Achten Sie bei Vertragsabschluss unbedingt auf den Verzicht auf abstrakte Verweisung.

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