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Produkthaftpflichtversicherung

Stand: 18. März 2026 Von Thorsten Schreier

Allgemeine Information — keine individuelle Beratung, keine Gewähr.

Auf einen Blick: Die Produkthaftpflicht schützt Hersteller, Importeure und Händler vor Schadensersatzansprüchen aus fehlerhaften Produkten. Das Produkthaftungsgesetz begründet eine verschuldensunabhängige Haftung — ein einziger Rückruf kann sechsstellige Kosten verursachen. Auch Handwerksbetriebe und Online-Händler sind betroffen.

Was ist eine Produkthaftpflichtversicherung?

Die Produkthaftpflichtversicherung schützt Ihr Unternehmen vor Schadensersatzansprüchen, die entstehen, weil ein von Ihnen hergestelltes, importiertes oder vertriebenes Produkt einen Personen- oder Sachschaden verursacht. Das deutsche Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) begründet eine verschuldensunabhängige Haftung — der Geschädigte muss also kein Verschulden nachweisen, sondern nur den Fehler, den Schaden und den kausalen Zusammenhang.

Das Haftungsrisiko ist dabei erheblich: Ein einziges fehlerhaftes Produkt, das in Serie ausgeliefert wurde, kann zu einem Massenrückruf führen. Die Kosten für Benachrichtigung, Rücktransport, Austausch, Entsorgung und eventuelle Schadensersatzansprüche können die Existenz eines mittelständischen Unternehmens gefährden. Für Hersteller, Importeure und Händler ist die Produkthaftpflichtversicherung deshalb keine optionale Zusatzversicherung, sondern eine betriebliche Notwendigkeit.

Wichtig: Die Produkthaftung gilt auch für Handwerksbetriebe, die individuell gefertigte Produkte herstellen — vom Schlosserbetrieb über die Schreinerei bis zum Elektroinstallateur.

Wer braucht eine Produkthaftpflichtversicherung?

  • Hersteller — Primär verantwortlich für die Sicherheit ihrer hergestellten Produkte
  • Importeure — Wer Produkte aus dem Nicht-EU-Ausland in die EU einführt, gilt rechtlich als Hersteller
  • Händler und Großhändler — Subsidiäre Haftung, wenn der Hersteller nicht ermittelbar ist
  • Handwerksbetriebe — Individuell angefertigte Produkte und Werkstücke fallen ebenfalls unter das Produkthaftungsrecht
  • Lebensmittelproduzenten — Besonders strenge Sorgfaltspflichten bei Nahrungsmitteln
  • Online-Händler — Wer unter eigenem Namen verkauft, haftet als Quasi-Hersteller. Einen Überblick über weitere Risiken bietet der Ratgeber E-Commerce und Onlinehandel

Erweiterte Produkthaftpflicht

Die Standard-Produkthaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden durch fehlerhafte Produkte. Die erweiterte Produkthaftpflicht geht darüber hinaus und übernimmt zusätzlich die Kosten für den Aus- und Einbau fehlerhafter Teile, Nachbesserungskosten und Vermögensschäden, die nicht direkt aus einem Personen- oder Sachschaden resultieren. Für Zulieferer in der Industrie ist die erweiterte Produkthaftpflicht besonders wichtig, da ihre Bauteile häufig in komplexe Endprodukte eingebaut werden — ein fehlerhaftes Bauteil kann dann teure Demontage- und Nachrüstungsarbeiten erfordern.

Was leistet die Produkthaftpflichtversicherung?

  • Personenschäden — Verletzungen oder Gesundheitsschäden durch fehlerhafte Produkte
  • Sachschäden — Beschädigungen an anderen Sachen durch das fehlerhafte Produkt
  • Folgeschäden — Vermögensschäden als Folge eines Personen- oder Sachschadens
  • Rückrufkosten — In erweiterten Tarifen: Kosten für den Rückruf fehlerhafter Produkte
  • Abwehr unberechtigter Ansprüche — Prüfung und Abwehr unbegründeter Forderungen

Worauf sollten Sie achten?

  • Deckungssumme — Richten Sie sich nach dem Schadenpotenzial Ihrer Produkte. Bei Produkten mit hohem Risikopotenzial sind höhere Summen erforderlich
  • Rückrufkostendeckung — Standardmäßig oft nicht enthalten, aber gerade für Serienfertiger unverzichtbar
  • Auslandsdeckung — Exportieren Sie Ihre Produkte? Dann ist eine erweiterte territoriale Deckung nötig, insbesondere für die USA und Kanada
  • Abgrenzung zur Betriebshaftpflicht — Die Produkthaftpflicht ist häufig als Baustein in der Betriebshaftpflicht enthalten. Prüfen Sie, ob die Deckung ausreicht oder eine separate Police notwendig ist
  • Erweiterte Produkthaftpflicht — Deckt auch Aus- und Einbaukosten fehlerhafter Teile sowie Nachrüstungskosten

Kostenbeispiele

BrancheJahresumsatzJahresbeitrag (Produkthaftpflicht)
Handwerksbetrieb (Metallbau)bis 500.000 €300–700 €
Lebensmittelhersteller (regional)bis 1 Mio. €500–1.500 €
Maschinenbauer (mittelständisch)1–5 Mio. €1.000–3.000 €
Importeur (Konsumgüter)1–5 Mio. €800–2.500 €

Schadenszenarien aus der Praxis

  • Defektes Elektronikgerät verursacht Brand: Ein vom Unternehmen importiertes Ladegerät überhitzt und verursacht einen Zimmerbrand. Der Brandschaden an der Wohnung des Kunden beträgt 80.000 Euro. Die Produkthaftpflicht übernimmt den Schadensersatz.
  • Fehlerhaftes Bauteil in Maschine: Ein von Ihrem Unternehmen hergestelltes Hydraulikventil versagt in einer Kundenmaschine. Die Maschine wird beschädigt und muss mehrere Wochen stillstehen. Reparatur und Produktionsausfall beim Kunden: 120.000 Euro.
  • Lebensmittelverunreinigung: Ein Lebensmittelhersteller liefert kontaminierte Ware aus. Mehrere Verbraucher erkranken. Behandlungskosten, Schmerzensgeld und Rückrufkosten: 200.000 Euro.
  • Handwerksprodukt versagt: Ein Schlosser fertigt ein Geländer an, das bei Belastung nachgibt. Eine Person stürzt und verletzt sich schwer. Schmerzensgeld und Behandlungskosten: 60.000 Euro.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Produkthaftpflicht und Betriebshaftpflicht?

Die Betriebshaftpflicht deckt Schäden ab, die im laufenden Betrieb entstehen — etwa wenn ein Mitarbeiter bei einer Montage das Eigentum des Kunden beschädigt. Die Produkthaftpflicht greift dagegen, wenn ein bereits ausgeliefertes Produkt einen Personen- oder Sachschaden verursacht. Häufig ist die Produkthaftpflicht als Baustein in der Betriebshaftpflicht enthalten, allerdings mit begrenzter Deckungssumme. Prüfen Sie, ob diese für Ihr tatsächliches Risiko ausreicht.

Haftet auch ein Händler für fehlerhafte Produkte?

Ja. Nach dem Produkthaftungsgesetz haftet der Händler subsidiär, wenn der Hersteller nicht ermittelbar ist oder seinen Sitz außerhalb der EU hat. Wer Produkte unter eigenem Namen verkauft oder aus dem Nicht-EU-Ausland importiert, wird sogar wie ein Hersteller behandelt und trägt die volle Haftungsverantwortung.

Sind Rückrufkosten automatisch mitversichert?

In den meisten Standardtarifen der Produkthaftpflicht sind Rückrufkosten nicht enthalten. Die Kosten für Benachrichtigung, Rücktransport, Austausch und Entsorgung fehlerhafter Produkte müssen als separater Baustein eingeschlossen werden. Gerade für Serienfertiger und Unternehmen mit großen Stückzahlen ist dieser Einschluss unverzichtbar, da ein Rückruf schnell sechsstellige Kosten verursachen kann.

Brauche ich als Handwerksbetrieb eine Produkthaftpflichtversicherung?

Ja. Das Produkthaftungsrecht gilt nicht nur für industrielle Serienfertigung, sondern auch für individuell gefertigte Werkstücke. Vom Metallbauer über den Schreiner bis zum Elektroinstallateur — wer Produkte herstellt, die von anderen genutzt werden, unterliegt der verschuldensunabhängigen Haftung nach dem Produkthaftungsgesetz. Eine Produkthaftpflichtversicherung ist daher auch für Handwerksbetriebe dringend empfehlenswert.

Häufige Fehler bei der Produkthaftpflichtversicherung

  • Produkthaftpflicht in Betriebshaftpflicht nicht geprüft: Viele Betriebshaftpflichtpolicen enthalten einen Produkthaftpflichtbaustein — oft aber mit niedrigen Deckungssummen oder eingeschränktem Geltungsbereich. Prüfen Sie, ob die bestehende Deckung Ihrem tatsächlichen Risiko entspricht.
  • Rückrufkosten nicht versichert: Ein Produktrückruf kann schnell sechsstellige Kosten verursachen — Benachrichtigung der Kunden, Rücktransport, Austausch, Entsorgung. Rückrufkosten sind in Standardtarifen oft nicht enthalten und müssen separat eingeschlossen werden.
  • US-Exportrisiko unterschätzt: Die USA und Kanada haben ein deutlich strengeres Produkthaftungsrecht mit höheren Schadensersatzsummen (Punitive Damages). Exportieren Sie in diese Märkte, benötigen Sie eine erweiterte Auslandsdeckung.
  • Importeur-Haftung nicht bekannt: Wer Produkte aus dem Nicht-EU-Ausland importiert, gilt nach dem Produkthaftungsgesetz als Hersteller — mit voller Haftungsverantwortung. Viele Importeure unterschätzen dieses Risiko.

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